Hundeherzen Apariv e.V.

Ich kann nicht alle Hunde der ganzen Welt retten, aber ich kann die ganze Welt eines Hundes retten!

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Plädoyer für die Senioren

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Toffee war Ende November 2012 auf die Auffangstation gekommen. Tierfreunde hatten ihn mehr tot als lebendig an einer Straße gefunden. Und einige Wochen lang war es mehr als fraglich, ob er überleben würde. Aufgrund der Verletzungen in seinem Gesicht hatten unsere spanischen Freunde zunächst angenommen, er sein von Leishmaniose gezeichnet. Da die Blutuntersuchung auf LM negativ war, wurde die Wunden noch einmal gründlich untersucht und endlich in ihnen die Schrotkörner gefunden, die die Wunden tatsächlich verursacht hatten.
Toffee auf Station

Ich habe Toffee im Februar 2013 kennen gelernt, als ich anläßlich unserer Kastrationsaktion einige Male auf unserer Auffangstation A.P.A.Ri.V. war.

 

Er war der Hund, der sich regelmäßig zwischen meine Beine stellte, wenn die ganze Hundemeute zur Begrüßung heranstürmte. Im Gespräch mit unseren spanischen Tierschutzfreunden erfuhr ich, dass Toffee durch einen Schrotschuss in sein Gesicht einen Gehörschaden hatte und er so die notwendige Sicherheit findet.Toffee auf Station

 

Toffee damals ca. 9 Jahre alt und die meisten dieser Jahre hat er wohl als Jäger treu seinem Herrn gedient. Seine ausgefransten Ohren, seine schweren schlecht verheilten Verletzungen am linken Hinterlauf, wo großer Teil des Muskels fehlt, der offenbar unbehandelt verheilte Bruch der Rute und die unzähligen kleinen und größeren Narben an seinem gesamten Körper belegen das deutlich.

Doch als er als Jagdhund nicht mehr "taugte", weil er zu langsam wurde und die Beute nicht mehr fangen konnte, hat er wohl von seinem Herrn als "Dank" einen Schuß aus einem Schrotgewehr erhalten und wurde auf die Straße weggeworfen.

Nach einigen Tagen hatte ich mich mit dem sanften alten Riesen mit dem enormen Überlebenswillen so sehr angefreundet, dass ich ihm versprach, ihn zu mir nach Deutschland zu holen, obwohl ich ursprünglich einen der jungen Rüden aus der Station übernehmen wollte.

Im Juli war es endlich so weit. Wir konnten Toffee in Frankfurt abholen nachdem unsere Tierärztin Marion ihn nach einem ihrer Arbeitsbesuche unserer Auffangstation APARiV als Flugpatin mit nach Deutschland gebracht hat.

Zu meiner Freude hatten unsere Freunde in Spanien und Toffees Überlebenswillen bereits hervorragende Arbeit geleistet. Der ausgemergelte geschundene Hund, den ich noch vor einigen Monaten kennengelernt hatte, war mittlerweile wieder zu Kräften gekommen. Sein Gesicht war weitgehend wieder verheilt. Nur sein Hörvermögen ist bis heute eingeschränkt.

Die ersten Tage mit Toffee gestalteten sich schwieriger als erwartet. Da wir nicht wußten, wie weit sein Hörvermögen eingeschränkt ist, waren z.B. die ersten Spaziergänge ausgesprochen anstrengend, da die ersten 200m der Spaziergänge immer an einer Landstraße ohne Bürgersteig aber mit relativ starken Verkehr entlang führen. Auf dieser Strecke war Toffee nur mit vielem Locken zum Weitergehen zu bewegen. Es dauerte fast eine Woche, bis wir erkannten, dass der Weg kein Problem ist, wenn wir ihn an der rechten Seite führen und nicht wie in Deutschland üblich an der linken Seite.Toffee Zuhause

Völlig unproblematisch war die Fütterungsumstellung. Toffee zeigte einen guten Appetit und es gab kein Futter, dass er nicht nahm. Als ebenso unproblematisch erwies sich die Integration in unser kleines Rudel. Toffee ist zwar deutlich größer als unsere 3 "Mädels". Aber als ruhiger und sehr sozialer Hund war innerhalb von wenigen Tagen die Integration vollzogen. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass besonders die beiden kleinen Mädels mit Toffees Zugang an Sicherheit gewonnen haben. Sein dumpfes kräftiges Bellen zeigt sich bei Begegnungen mit anderen Hunden anscheinend deutlich "wirkungsvoller" als ihr hohes Bellen. Und das ist wohl auch seine Stellung im Rudel - zwar nicht der "Boss" - das ist nach wie vor Jule - aber von allen 3 "Mädels" anerkannt und akzeptiert.

Toffee mit seinem Rudel


Ergänzung Dezember 2014: Heute, 2 Jahre nach unserer ersten Begegnung, genießt der sanfte Alte sein Leben als "Rentner" - täglich mindestens zwei Stunden im Freilauf, wo man nach Herzenslust toben, buddeln und Mäuse fangen kann - einen festen Platz auf der Couch, direkt neben Frauchen, wo man jede Menge Streicheleinheiten erhält und besonders wichtig - pünktlich um 18.00h gibt's Futter zwinkernd. 20141229 toffee 1.Seine körperlichen Wunden sind vernarbt. Sogar sein Hörvermögen ist wieder hergestellt. Nur die Narben an seiner Seele machen ihm hin und wieder zu schaffen. Seine Angst verlassen zu werden ist so stark ausgeprägt, dass er so manches Mal bereits heult, wenn er aus dem Schlaf erwacht und uns nicht sofort sieht. Allerdings hat er auch gelernt, dass der Satz "ich komme wieder", wenn wir das Haus verlassen bedeutet, dass er nur ruhig warten muss, bis wir wieder da sind und er zur Belohnung jede Menge zusätzliche "Streicheleinheiten" erhält. Für nichts in der Welt werden wir unseren sanften Alten wieder her geben und wir freuen uns auf die vielen Jahre, die wir noch mit ihm verbringen dürfen - dank Toffees Willen zu leben.